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IM SCHATTEN DES ZENTRALPARKS

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Das Portal des Bel-Tempels

Es steht noch, das große, gut 15 Meter hohe Portal, das asymmetrisch in die westliche Säulenfront des Bel-Tempels integriert war. Die Satellitenaufnahme hatte aus dem Weltall seinen Schatten registriert. Jetzt veröffentlichte ISIS in der neuen Ausgabe seines Propagandamagazins ein kleines Foto, das nach der Sprengung der Cella aufgenommen worden war. Im Trümmerhaufen der großen Steinquader, die einmal die Tempelwände bildeten, steht das fast unbeschädigte Tor. Man möchte fast meinen, daß dies beabsichtigt ist. Sollten hier künftig noch einmal Menschen hindurchgehen, träten sie nicht mehr in einen Bedeutungsraum, sondern ins Leere.

Als der französische Zeichner Cassas im Mai 1785 nach Palmyra kam, wurde er vom Scheich der Araber in einer Hütte im Tempelbezirk einquartiert. Hier zeichnete er das gleiche Portal, um es später, für die Veröffentlichung in seiner „Malerischen Reise durch Syrien (…)“, mit aufgeregten Arabern zu beleben. Die Radierung erschien erst 1798, das ganze Tafelwerk blieb unvollendet. Sein adliger Mäzen war nach Petersburg geflohen, die Revolutionäre hatten das Werk noch gefördert, aber Napoleon entzog ihm die Subvention. Die Staatsgelder flossen nun in die „Beschreibung Ägyptens“, das wissenschaftliche Propagandawerk, das sein Kriegsdesaster nachträglich legitimierte, indem es die untergegangene Kultur Ägyptens hochprofessionell wiederauferstehen ließ.

Was liegt zwischen diesen beiden Bildern? Eine ganze Epoche, die vom Aufstieg der Archäologie als Wissenschaft handelt. Cassas gestaltete mit fiktiven Details nur eine romantische Ruinenerzählung, die nichts von der erdrückenden Gewalt des Portals in sich aufnahm. Das große zweibändige Werk, das französische Archäologen 1975 als Summe ihres Wissens über den Bel-Tempel vorlegten und das nun von ihm übrig bleibt, entdeckte dann die Funktion jedes einzelnen Steins am Bau, verlor aber völlig die Macht aus dem Blick, die ihn aufgeführt hatte und die noch bis zu seiner Zerstörung vor Ort zu spüren war. Und nun dieses Propagandafoto des nackten Portals. Wie sollen wir je wieder den Begriff „Kulturbesitz“ auf etwas anwenden, das uns nur hypothetisch, nur im Erkenntnisraum der Wissenschaften gehört?

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